Was sind Stablecoins? Deckung, Risiken und der Unterschied zum digitalen Euro

Krypto-Grundlagen · 15.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

Ein Stablecoin ist ein Krypto-Token, der den Wert einer staatlichen Währung abbilden soll, meist den US-Dollar. Er ist die Recheneinheit des gesamten Krypto-Handels und gleichzeitig der Baustein, bei dem die meisten Leute nicht nachfragen, wodurch er eigentlich gedeckt ist. Genau darum geht es hier, dazu um die digitalen Zentralbankwährungen, die oft damit verwechselt werden.

Wozu braucht es Stablecoins überhaupt?

Wer aus einer schwankenden Position aussteigen will, braucht ein Ziel, das nicht schwankt. Der Weg zurück auf ein Bankkonto dauert Tage und kostet Gebühren. Ein Stablecoin bleibt innerhalb des Systems: Verkauf in Sekunden, Rückkehr in den Markt ebenso schnell.

Daraus folgt die zweite Rolle: Stablecoins sind das Zahlungsmittel von DeFi. Kredite, Zinsen und Preise werden fast durchgehend in ihnen gerechnet. Ihr gemeinsames Volumen liegt seit Jahren im Bereich mehrerer hundert Milliarden Dollar, und es ist einer der wenigen Krypto-Bereiche mit echtem, messbarem Nutzen ausserhalb der Spekulation, etwa bei Überweisungen in Länder mit instabiler Währung.

Welche Arten von Stablecoins gibt es?

Art Deckung Beispiele Hauptrisiko
Durch Währung gedeckt Bankguthaben und kurzlaufende Staatsanleihen USDT, USDC, EURC Der Herausgeber und seine Bank
Durch Krypto gedeckt überbesichert mit Krypto-Vermögen DAI Kursrutsch der Sicherheiten, Liquidationen
Algorithmisch keine echte Deckung, nur Regeln UST (gescheitert) Vertrauensverlust, Totalausfall

Was ist 2022 mit Terra passiert?

UST war ein algorithmischer Stablecoin ohne echte Reserven. Die Bindung an den Dollar beruhte allein auf einem Tauschmechanismus mit einem zweiten Token und auf einem Zinsversprechen von rund 20 Prozent, das neue Einlagen anzog.

Im Mai 2022 verlor UST die Bindung, der Tauschmechanismus schuf immer mehr des zweiten Tokens, dessen Kurs dadurch zusammenbrach, was die Bindung weiter zerstörte. Innerhalb weniger Tage war ein zweistelliger Milliardenbetrag vernichtet. Die Lehre daraus ist keine technische, sondern eine einfache: Ein Versprechen auf Stabilität, das nur aus Regeln besteht und aus keinem Vermögenswert, hält genau so lange, wie alle daran glauben.

Wie prüfst du, ob ein Stablecoin gedeckt ist?

  • Wer gibt ihn heraus, und in welchem Land sitzt diese Firma?
  • Was liegt in der Reserve? Bankguthaben und kurzlaufende Staatsanleihen sind etwas anderes als Unternehmensanleihen oder eigene Token.
  • Wer bestätigt das, in welchem Abstand, und ist es eine Vollprüfung oder nur eine Bestätigung des Bestandes zu einem Stichtag?
  • Kannst du jederzeit zurücktauschen, und ab welchem Betrag?

Ein praktischer Prüfstein: Im März 2023 fiel USDC kurzzeitig auf rund 0,87 Dollar, weil ein Teil der Reserven bei der zusammengebrochenen Silicon Valley Bank lag. Die Bindung kam zurück, sobald die Einlagen gesichert waren. Der Fall zeigt beides: dass Deckung wirkt, und dass sie am Bankensystem hängt.

Was regelt die EU seit MiCA?

Mit der europäischen Verordnung MiCA gelten seit 2024 für Herausgeber von wertreferenzierten Token und E-Geld-Token feste Pflichten: Zulassung, Reservehaltung, getrennte Verwahrung und ein Anspruch auf Rücktausch zum Nennwert. Für Anleger im deutschsprachigen Raum ist das die praktisch wichtigste Änderung der letzten Jahre, weil sie den Unterschied zwischen beaufsichtigten und unbeaufsichtigten Herausgebern sichtbar macht.

Was ist der Unterschied zu einer digitalen Zentralbankwährung?

Eine digitale Zentralbankwährung, oft CBDC genannt, wird nicht von einer Firma ausgegeben, sondern von der Notenbank selbst. Sie ist damit gesetzliches Zahlungsmittel und trägt kein Ausfallrisiko eines Herausgebers.

Stablecoin Digitale Zentralbankwährung
Herausgeber privates Unternehmen Notenbank
Deckung Reserven des Herausgebers der Staat selbst
Zugang offen, mit einer Wallet geregelt, mit Identitätsprüfung
Privatsphäre pseudonym, öffentlich nachvollziehbar abhängig von der Ausgestaltung

Der digitale Euro befindet sich seit Jahren in Vorbereitung, ein Start ist frühestens gegen Ende des Jahrzehnts realistisch. Die Debatte darüber dreht sich weniger um Technik als um zwei Fragen: wie viel Anonymität kleine Beträge behalten, und welche Rolle den Geschäftsbanken bleibt.

Wie werden Stablecoins besteuert?

Ein häufiger Irrtum: Wer Bitcoin gegen einen Stablecoin tauscht, hat steuerlich in der Regel verkauft, obwohl kein Euro geflossen ist. In Österreich ist der Tausch von Krypto gegen Krypto steuerfrei, Stablecoins gelten dort als Krypto-Vermögen. In Deutschland ist derselbe Vorgang ein Veräusserungsgeschäft. Der Unterschied ist erheblich, die Einzelheiten stehen auf der Seite Krypto-Steuern.

Was du dir merken solltest

  • Ein Stablecoin ist nur so stabil wie seine Deckung und deren Herausgeber.
  • Algorithmische Stablecoins ohne Reserven sind gescheitert, im Fall Terra innerhalb weniger Tage.
  • Auch gedeckte Stablecoins hängen am Bankensystem, siehe USDC im März 2023.
  • MiCA verlangt in der EU Zulassung, Reserven und einen Anspruch auf Rücktausch.
  • Eine digitale Zentralbankwährung ist kein Stablecoin, sie kommt von der Notenbank.

Weiter im Lernbereich: DeFi verstehen und die Übersicht Krypto-Grundlagen.

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